
Gründungsjahr: 1970
Zeit für was Neues
Im September 1970 erscheint die erste Ausgabe von profil. Oscar Bronner erklärte von Anfang an: „Wir sind absolut unabhängig, und zwar nicht nur von Parteien, Interessengruppen und Inserenten, sondern auch von mir selbst.“ Bis dahin gab es in Österreich kaum kritischen Journalismus in Form recherchierter Geschichten. Pressekonferenzen liefen ab wie die Neujahrsansprache des Bundespräsidenten, Interviews mit Politikern hatten den Charakter von Audienzen. Fragen an den Bundeskanzler waren vorab schriftlich einzureichen, die unangenehmen wurden schon im Vorfeld von der Liste gestrichen.
profil – Anlaufstelle für brisante Informationen
Den Durchbruch schaffte profil mit seinen Recherchen im Graubereich zwischen Politik und Wirtschaft. Die Grundstücksgeschäfte der Gemeinde Wien machten den Bürgermeister Felix Slavik zum ersten Opfer von profil. Die Februar-Ausgabe 1971 wurde zweimal beschlagnahmt – das erste Mal vom Präsidenten des Kriegsopferverbandes, das zweite Mal von Felix Slavik. profil wurde durch diese Geschichte zur Anlaufstelle für brisante Informationen. Per Post erhielt die profil-Redaktion anonyme Kuverts mit ganzen Akten, die Material für weitere Geschichten lieferten.
Enthüllungen als Markenzeichen von profil
Alfred Worm, der gelernte Bauingenieur, hatte profil mit Materialien zur Bauring-Affäre und zu anderen Wiener Affären versorgt. Mit seiner Titelgeschichte hatte der journalistische Quereinsteiger den AKH-Skandal ans Licht gebracht. profil berichtete auch als erstes Medium über die Kriegsvergangenheit von Kurt Waldheim und beschäftigte sich intensiv mit nationalen und internationalen Reaktionen. Katholische Missstände wie im Fall Groër und in St. Pölten wurden dank profil an die Öffentlichkeit getragen und die Wahrheit ans Tageslicht gebracht. In jüngster Zeit hat profil mit exklusiven Recherchen zu Bawag und Meinl-Bank für Aufmerksamkeit gesorgt.


